|
Die Raumfahrzeuge
Titan, [die], Raketen: Serie mehrstufiger US-amerikanischer Trägerraketen; ein Baukastenprinzip ermöglicht zahlreiche Varianten des Grundtyps; die ursprünglich flüssigkeitsgetriebene Rakete wurde in der Version T.3 durch zwei Feststoff-Starthilfsraketen ergänzt. Die Titan diente zum Start der Geminikapseln und hat interplanetare Missionen der NASA durchgeführt.
Saturn V Zu dem beeindruckensten, was die Zuschauer am Boden von den Apollo-Misionen mitbekommen konnten war zweifellos dar Start des bis heute stärksten je von Menschen konstruierten beweglichen Objektes: Die Saturn V. Allein eines der Triebwerke der ersten Stufe entfesselte einen Schub von 600 Tonnen. Alle fünf Triebwerke vom Typ F1 gaben dem Träger einen Startschub von ca. 3.200 Tonnen. In der Sartphase entfesselte die 1. Stufe eine Leistung von etwa 116 Millionen PS. Allein die Treibstoffpumpe erreichte dabei eine Leitung von 50.000 PS, um flüssigen Sauerstoff und Kerosin zu den Brennkammern zu führen. Das entsprichte der Antriebsleitung eines Ozeanliners. Weit enfernte Beobachter des Starts in einigen km Abstand blickten durch ihre Ferngläser. Genaues zu erkennen war aber trotzdem kaum. Denn die Saturn-V ließ das Gelände um den Startkomplex so stark vibrieren, daß die Schwingungen seismisch noch in New York meßbar waren! Immerhin wird ein Prozent der Antriebsenergie in Schallwellen verwandelt. Auch das Shuttle läßt heute bei einem Start in gut 10 km Entfernung noch einen Schalldruck von ca 115 dB entstehen. Das entspricht einem Presslufthammer aus einigen Meter Entfernung.
Wostok Wostok, (russisch, "Osten"), Name sowjetischer bemannter Raumschiffe, die ein ausgedehntes Raumfahrtprogramm durchführten. Alle Flüge waren wissenschaftlich und technisch sehr erfolgreich. Mit der Wostok 1 unternahm J. Gagarin am 12.04.1961 die erste bemannte Erdumkreisung.
Space Shuttle Space Shuttle (englisch, "Raumpendler"), Bezeichnung für den ersten wiederverwendbaren Raumtransporter. Ein wiederverwendbares Trägersystem, das zur Erdoberfläche zurückkehrt und nach der Wartung erneut verwendet werden kann. Das Konzept des Raumtransporters geht auf E. Sänger zurück. Verwirklicht wurde der Raumtransporter in den USA als partiell wiederverwendbares Gerät. Entwicklung und Bau begannen 1972 und wurden 1981 abgeschlossen. Test Landeanflüge des Raumtransporters wurden 1977 durchgeführt, der erste orbitale Flug fand am 12.04.1981 statt. Der Flug STS-9 (STS = Space Transportation System, Weltraum-Transportsystem) von 1983 hatte das europäische Weltraumlabor Spacelab an Bord. Die Explosion des Raumtransporters Challenger (Januar 1986) hat die US-amerikanische Raumfahrt um Jahre verzögert, besonders die Indienststellung einer US- Amerikanischen Raumstation. Im November 1988 gelang der UdSSR ein erster u bemannter Weltraumflugtest ihres Raumtransporters Buran, der dem US-amerikanischen Shuttle sehr ähnlich ist und bis zu 10 Kosmonauten befördern kann. Europa plant mit dem dreisitzigen Raumtransporter Hermes eine eigene Raumfähre. Columbia, Name des ersten im Weltraum eingesetzten US-amerikanischen Raumtransporters (Space shuttle). Der Erststart der Columbia erfolgte am 12.04.1981. Am sechsten Raumflug der Columbia, Start 28.11.1983, Teilnahme des deutschen Astronauten Ulf Merbold; Europas Raumlabor Spacelab dabei erstmals im All. Enterprise, Name des weltraumfluguntauglichen Space shuttle-Prototyps. Seit 1981 dient die Enterprise als Testexemplar zur Erprobung neuer Bordeinrichtungen. Challenger, Name des zweiten Space shuttle, Erststart am 4.04.1983 und der schwere Challenger-Unfall Januar 1986 mit 7 Toten. Discovery, Name des dritten Space shuttle. Der Jungfernflug der Discovery erfolgte am 30.08.1984, wobei große Sonnensegel getestet wurden. Während des dritten Fluges (24.01.-27.01.1985) wurde ein militärischer Abhörsatellit in die Erdumlaufbahn ausgesetzt.
Ariane 5 Ariane, im Auftrag der europäischen Weltraumorganisation ESA seit 1973 entwickelte Trägerrakete für den Start unbemannter Satelliten und Raumsonden. Die dreistufige Trägerrakete mit einer Startmasse von 210 t wurde erstmals am 24. 12. 1979 vom französischen Raumfahrtzentrum in Kourou (Französisch-Guyana) zur Erprobung gestartet und ging ohne größere Verzögerung in die kommerzielle Nutzphase über. Die 47,4 m lange Rakete hat eine Nutzlastkapazität von 4500 kg. Für Finanzierung, Produktion, Verkauf und Start der Ariane-Raketen wurde im März 1980 eine private Firma gegründet, die Arianespace. Eigentümer (Aktionäre) sind 36 Raumfahrtfirmen Europas, 11 Banken und die französische Raumfahrtbehörde CNES.
Satellit 1. Geophysikalische und astronomische
Meßsatelliten dienen z. B. der Messung der Intensität der kosmischen Strahlen
sowie der ultravioletten Strahlung der Sonne, Messung des Reflexionsvermögens
der Erde in bezug auf kurzwellige Lichtstrahlen und die Abstrahlung von langwelligen
Wärmestrahlen, Erforschung der Weltraumstrahlen im Van-Allenschen Strahlengürtel,
Temperaturmessungen in verschiedenen Höhen, Messung von Anzahl und Größe
der Kleinmeteoriten, Erforschung interplanetarischer Magnetfelder, der Gasdichte
im Weltraum usw. Die Übermittlung der Meßdaten erfolgt durch Funk im Kurz-
oder Ultrakurzwellenbereich. Die Werte werden häufig als Impulsgruppen auf
Magnetband gespeichert und beim Überfliegen einer Bodenstation auf Abruf
gesendet. Auf ähnliche Art können von der Erde aus manche Funktionen gesteuert
werden, etwa das Ausrichten einer Kamera auf die Sonne oder die Achsenlage
im Raum. 2. Wettersatelliten dienen der meteorologischen
Beobachtung der Erdoberfläche. Wettersatelliten sind mit Fernsehkameras
ausgerüstet; zur Erfassung großer Teile der Erdoberfläche dient eine Weitwinkelkamera,
für Detailaufnahmen eine Schmalwinkelkamera. Die Aufnahmen werden in Magnetbandgeräten
gespeichert. Eine kleine Programmieranlage an Bord des Satelliten kann
die Bedienung der Kameras übernehmen. Infrarotsensoren erlauben auch Nachtaufnahmen
und Temperaturmessungen in der Atmosphäre. Die Betriebsenergie wird von Sonnenzellen
geliefert und in Nickel-Cadmium-Akkumulatoren gespeichert. 3. Nachrichtensatelliten, Navigationssatelliten: Der erste kommerzielle Nachrichtensatellit, "Early Bird", wurde am 6. April 1965 in Kap Kennedy gestartet; er dient der Übertragung von Ferngesprächen, Fernschreiben und Fernsehsendungen. Dieser Satellit wog 38,6 kg und verfügte über eine Kapazität von 240 Sprechkreisen oder einem Fernsehkanal. Das derzeitige globale Nachrichtensatellitennetz verwendet eine fortentwickelte Serie von Intelsat-Satelliten. Der modernste Typ Intelsat VI kann 33.000 Telefonverbindungen gleichzeitig übertragen und vier Farbfernsehprogramme abstrahlen. Er hat 3,6 m Durchmesser, ist 11,8 m hoch und wiegt 1500 kg. Daneben gibt es noch lokale Nachrichtensatelliten-Netze u. a. in USA und Europa sowie direkt zu empfangende Fernsehsatelliten. 4. Bemannte Satelliten werden normalerweise nicht als Satelliten bezeichnet, sondern als Raumkapseln (Mercury, Gemini) oder als Raumstationen, wenn sie dem langzeitigen Aufenthalt mehrerer Astronauten dienen. Bemannte Geräte mit eigenem Antriebssystem heißen Raumfahrzeuge. 5. Satelliten des Mondes oder anderer Planeten werden im allgemeinen als Raumfluggeräte bezeichnet, da sie wesentlich komplizierter sind als Erdsatelliten. 6. Raumsonden dienen zur Erforschung des interplanetaren Raumes und sind keine Satelliten (höchstens "Sonnen-Satelliten"); sie entsprechen jedoch technisch weitgehend den Erd-Satelliten, d. h., es sind Gerätekapseln. 7. Militärische Satelliten dienen defensiven oder offensiven militärischen Zwecken. Sowohl die USA als auch Rußland sowie Israel und China verfügen darüber und haben bereits mehrere hundert militärische Satelliten gestartet. Man unterscheidet zwischen Aufklärungs- (Spionage-), Frühwarn-, Kernexplosions-, Navigations- und Wettersatelliten. Darüber hinaus gibt es weitere Gruppen, die bisher noch nicht realisiert sind, so z. B. Angriffs-, Laser- und elektronische Überwachungssatelliten.
Letzte Änderung: 01.01.2003
|