Die Sternbilder - Die Cassiopeia

Deutscher Name Lateinischer Name Genitiv Abkürzung
Kassiopeia Cassiopeia Cassiopeiae Cas

Rektaszension Deklination Fläche (°)²
22h 57m bis 3h 38m +46° bis +77° 598



Sternkarte (29kB)

Sternkarte aus J.E. Bodes Sternatlas von 1782 (185 kB)

Sichtbarkeit

In Mitteleuropa zirkumpolar. Kulmination um Mitternacht im Oktober.

Beschreibung

Cassiopeia. Das W-förmige Sternbild Cassiopeia ist nicht zu übersehen. Es liegt mitten in der Milchstrasse.Besonders interessant ist, dass einer - vielleicht aber auch zwei - der Hauptsterne des Sternbildes veränderlich sind.

Gamma Cas, gelegentlich Tsi (chin.: die Peitsche) genannt, ist der hellste Stern in der Cassiopeia. Er ist ein instabiler Unterriese (Spektraltyp B0IVe), der in nicht voraussehbaren Zeitintervallen Gasschalen abstöst. Daher variiert seine Helligkleit zwischen 2. und 3. Größe. Noch bis 1910 wurden keine Helligkeitsveränderungen beobachtet, und seine scheinbare Helligkeit wurde auf 2,25 mag festgesetzt. Der Stern wurde langsam heller, bis er 1936/37 eine scheinbare Helligkeit von 1,6 Größenklassen erreichte. 1940 fiel seine scheinbare Helligkeit wieder auf unter 3 mag, stieg danach aber langsam an. Seit Mitte der 50er Jahre liegt sie um 2,2 mag. Damit ist er etwas heller als beta Cassiopeia. Er ist der Prototyp einer Klasse von Veränderlichen, der Gamma-Cassiopeie-Sterne. Es sind noch einige andere Sterne dieses Typs bekannt (z.B. Plejone im den Plejaden). Alle diese Sterne scheinen schnell zu rotieren. Gamma könnte jederzeit wieder heller werden. Seine Leuchtkraft kann dann das 6000fache unserer Sonne erreichen.

Die nächsthellsten Sterne sind alpha und beta (diese Reihenfolge stimmt aber nicht immer). Alpha Cassiopeia, auch Shedir (arab.: die Brust) genannt, ist ein orangefarbener K-Riese. Er ist 120 Lichtjahre entfernt und 190mal heller als die Sonne. Er wurde bereits im 1881 als ein Veränderlicher erkannt. Die scheinbare Helligkeit von alpha schwankt unregelmässig zwischen 2,2 und 2,8 mag. Man vermutete sogar, daß er eine Periode von ungefähr 80 Tagen hat. Spätere Beobachter konnten die Veränderlichkeit nicht bestätigen. Alpha ist ein optischer Doppelstern. Er hat einen blauen Nachbarn 9. Größe.

Beta Cassiopeiae ist ebenfalls ein leicht veränderlicher Stern. Seine Helligkeit schwankt zwischen 2,27 und 2,31 mag und seine Periode liegt bei ca. 2,5 Stunden.

Der Doppelstern eta Cas besteht aus einem gelben (G0V) und einem roten (M0) Stern; er ist ganz hervorragend in kleinen Teleskopen zu trennen. Die beiden Sterne haben Helligkeiten von 3.44 und 8 mag. Er ist "nur" 19 Lichtjahre von uns entfernt. Damit zählt er noch zur "Nachbarschaft der Sonne".

Ein sehr hübscher Dreifach-Stern ist iota Cas. Mit kleinen Teleskopen kann man seinen Begleiter, einen weißen Stern 8. Größe von 4.5 mag auflösen. Die Hauptkomponente (iota Cas A) hat eine Helligkeit von 4,9 mag. In einem Abstand von 2,4" befindet sich ein 9,6 mag heller Begleitstern (iota Cas B). 8,4" von iota Cas A liegt die 8,4 mag helle dritte Komponente des Systems (iota Cas C). Um die drei Sterne trennen zu können, bedarf es mindestens eines 10cm-Teleskops.

Rho Cassiopeia liegt nahe bei beta und auf halbem Weg zwischen sigma (4,88 mag) und tau (4,87 mag). Er ist ein Veränderlicher des Mira-Typs. Rho ist ein außergewöhnlich heller Überriese, mit mindestens 130000facher Sonnenleuchtkraft, und mindestens 4800 Lichtjahre Entfernung. Die meiste Zeit ist er um 4,8 mag hell, so daß sich der Vergleich mit sigma aufdrängt (der Vergleich mit tau sollte vermieden werden, da tau vermutlich ein Veränderlicher ist). Manchmal fällt rho unter 6 mag, doch dies ist nun schon seit 40 Jahren nicht mehr geschehen. Das Spektrum ist ebenfalls veränderlich. Es reicht vom F8 bis zum frühen M-Typ.

R Cassiopeia ist ein gewöhnlicher Mira-Stern und kann mit dem bloßem Auge beobachtet werden, wenn er seine maximale Helligkeit erreicht.

Man findet in dieser Region eine große Anzahl von Nebeln und offenen Sternhaufen: Der diffuse Nebel I 59, ganz in der Nähe von gamma Cas, sieht aus wie zwei Fächer, die nach Nordwesten zeigen. Ein Grad westlich von alpha Cas findet man den diffusen Nebel NGC 281. Der planetarische Nebel NGC 7635 weist eine hohe gesamt Helligkeit auf; jedoch erscheint er wegen seiner großen Ausdehnung lichtschwach. Er ist auch für kleine Telekope ein gutes Beobachtungsobjekt.

Es gibt zwei offene Messier-Sternhaufen in der Cassiopeia. M103 ist weniger hell als sein Nachbar NGC663, und es ist nicht einfach nachzuvollziehen, warum Messier M103 den Vorzug gab. NGC457 enthält mehrere tausend Sterne.

Unter der Vielzahl von offenen Sternhaufen befinden sich auch die beiden Messierobjekte M52 und M103; sie gehören wohl mit zu den bekanntesten in diesem Sternbild. Der erste enthält mehr als 100 Sterne. Er ist ein für die Beobachtung mit Ferngläsern gut geeignet; an einer Ecke sitzt ein ins Auge fallender Stern 8. Größe. M103 ähnelt mit seinen rund 40 Sternen eher einem Fächer. Von den anderen Sternhaufen sollte man noch NGC 457 erwähnen, denn er ist einer der hellsten am Himmel und ein attraktives Ziel für kleine Teleskope. Ebenso ist der gelbe Überiese 5. Größe phi Cas (Spektraltyp F0Ia) gut zu beobachten.

Zwischen den Sternen rho und sigma liegt der offene Sternhaufen NGC7789. Seine hellsten Mitglieder haben eine Helligkeit von ungefähr 11 mag. Doch ihre enorme Anzahl (mindestens 1000) macht diesen Sternhaufen hell genung, um im Fernglas gesehen werden zu können. In einem größeren Amateurfernrohr ist er ein prächtiger Anblick.

NGC147 und NGC185 sind zwei elliptische Zwerggalaxien. Bei ihnen handelt es sich um entfernte Begleiter des Andromedanebels. Der Abstand vom Andromedanebel beträgt ungefähr eine Millionen Lichtjahre. Ihre Leuchtkraft beträgt "nur" sechs Millionen Sonnenleuchtkräfte, damit sind sie ca. 2000mal schwächer als der Andromedanebel - also wahre Zwerggalaxien. NGC147 und NGC185 liegen ca. ein Grad auseinander, und man kann sie bei schwacher Vergrößerung in einen Weitwinkelokular zusammen im Geschichtsfeld sehen.

In der Cassiopeia liegen auch die Galaxien Maffei 1 und Maffei 2, die allerdings zu schwach sind, um mit Amatuermitteln gesehen werden zu können. Maffei 1 ist mit ziemlicher Sicherheit ein Mitglied der Lokalen Gruppe.

Nahe kappa leuchtete im November 1572 eine helle Supernova auf, die mehr als ein Jahr lang mit bloßem Auge gesehen werden konnte. Sie wurde unter dem Namen "Tychos Stern" bekannt, weil sie der dänische Astronom Tycho Brahe als erster beschrieben hat. Heute findet man an dieser Position einen lichtschwachen Nebel und die Raidoquelle Cassiopeia B. Auch die Radioquelle Cassiopeia A ist ebenfalls ein Supernova-Überrest. Sie ist die stärkste Radioquelle am Himmel.



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HTML kodiert von Uwe Nolte und Hans-Peter Jäger. Letzte Änderung: 28.03.2010
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