Die Sternbilder - Der Herkules

Deutscher Name Lateinischer Name Genitiv Abkürzung
Herkules Hercules Herculis Her

Rektaszension Deklination Fläche (°)²
15h 49m bis 18h 57m +3° bis +51° 1225



Sternkarte (29kB)

Sternkarte aus J.E. Bodes Sternatlas von 1782 (185 kB)

Sichtbarkeit

Das Sternbild ist von Mitteleuropa aus gesehen teilweise zirkumpolar. Kulmination um Mitternacht Ortszeit: Anfang Juni.

Beschreibung

Herkules ist ein sehr großes Sternbild. Es bedeckt eine F1äche von 1225 Quadratgrad.

Der beste Wegweiser zu Hercules ist der 2 mag helle Stern alpha Ophiuchi oder auch Rasalhague genannt. Er ist hell genug, um aufzufallen, zumal er auch ziemlich isoliert steht. Nicht weit von ihm befindet sich Rasalgethi oder auch alpha. Der Hauptteil vom Hercules liegt innerhalb eines Dreiecks, das von Alphekka in der Corona Borealis, Rasalhague und Wega gebildet wird. Mit seiner hohen Deklination ist er bei uns teilweise zirkumpolar. Seine besonderen Merkmale sind der rote Überriese Rasalgethi, der Doppelstern zeta und zwei spektakuläre Kugelhaufen (M13 und M92).

Im Jahr 1759 entdeckte William Herschel, daß Rasalgethi veränderlich ist. In der damaligen Zeit waren nur vier veränderliche Sterne bekannt - Mira Ceti, Algol im Perseus liegend, lambda Cygni und R Hydrae - daher empfand man diese Entdeckung als sehr wichtig. Es heißt, seine Helligkeit schwanke zwischen 3,0 und 4,0 mag, doch bleibt er während der meisten Zeit innerhalb von 3,1 mag und 3,7 mag. Offiziell ist er als halbregelmäßiger Veränderlicher mit einer ungefährern Periode von 90 bis 100 Tagen klassifiziert, diese Periode ist aber keineswegs gesichert. Die Helligkeitsschwankungen sind langsam, können aber mit dem bloßem Auge verfolgt werden. Passende Vergleichssterne sind kappa Ophiuchi (3,20 mag), delta Herculis (3,14 mag) und gamma Herculis (3,75 mag), beta Herculis (2,71. mag.

Die Entfernung von Rasalgethi beträgt 218 Lichtjahre, sein Spektraltyp ist M. Was ihn so bemerkenswert macht, ist seine ungeheure Größe. Er könnte sogar größer sein als Beteigeuze, dann würde sein Durchmesser 400 Millionen Kilometer übersteigen. Er ist relativ kalt - seine Oberflächentemperatur liegt weit unter 3000 Grad Celsius. Rasalgethi ist eine sehr starke Infrarotquelle.

Daneben ist Rasalgethi auch ein sehr schöner Doppelstern. Sein Begleiter hat eine scheinbare Helligkeit von 5,3 mag. Da die Distanz nicht viel weniger als 5" beträgt, trennt schon ein kleines Teleskop das Sternpaar. Der Begleiter wird häufig als leuchtend grün beschrieben. Er ist ein extrem enger Doppelstern mit einer Periode von 51,6 Tagen. Es bestehen berechtigte Gründe anzunehmen, daß beide Sterne von einer riesigen verdünnten Wolke umgeben sind. Rasalgethi ist in der Tat ein sehr bemerkenswertes System.

Delta Herculis hat in einer Entfernung von 9" einen Begleiter der achten Größe (Positionswinkel 236 Grad), aber es ist lediglich ein optisches Paar. Es besteht keine gravitative Verbindung zwischen den beiden Komponenten. Die zweite Komponente ist nur ein Hintergrundstern. Delta selbst ist ein gewöhnlicher Stern des A-Typs, 35mal heller als die Sonne und 91 Lichtjahre entfernt.

Weit interessanter ist zeta Herculis, oder auch Rutilicus genannt, ein schöner Doppelstern. Das es sich um einen Doppelstern handelt, hat William Herschel im Jahr 1782 entdeckt. Die scheinbaren Helligkeiten sind 2,9 und 3,5 mag. Die Periode beträgt nur 34,5 Jahre, so daß sich sowohl der Abstand als auch der Positionswinkel schnell ändern. 1994 betrug der Abstand 1,6 Bogensekunden. Die Hauptkomponente ist ein G-Unterriese, 31 Lichtjahre entfernt und weit mehr als fünfmal so hell wie die Sonne.

Ein gutes Objekt für kleine Teleskope ist kappa Her. Es handelt sich hierbei um einen G8III mit 5.00 mag und einen K1III mit 6.25 mag Helligkeit mit einen Abstand von 27,5".

Ebenso läßt sich das Paar rho Her, eine A0 Hauptreihenstern von 5.47 mag und ein B9.5 III Stern von 4.52 mag, mit kleinen Fernrohren auflösen (Distanz: 4,2").

Ein attraktives Paar stellt 95 Her dar. Man kann es gut mit einem kleinen Teleskop beobachten. Die beiden Sterne 5. Größe leuchten in einem silber-goldenen Licht. Ihr Abstand beträgt 6,3".

Die Helligkeit des veränderlichen Sterns S Her schwankt alle 307 Tage von 5.9 mag zu 13.6 mag. er gehört zu der gleichen Klasse variabler Sterne wie R Ser.

Der veränderliche Stern SZ Her gehört zu den Bedeckungsveränderlichen. Alle 16 Stunden bedeckt die lichtschwächere Komponente die hellere und vermindert so die Gesamthelligkeit von 10.2 Magnituden zu 12 Magnituden. Die Bedeckung dauert zwischen 90 und 100 Minuten.

68 (u) Herculis ist ein interessanter Veränderlicher vom beta Lyrae-Typ. Im Hauptminimum hat er eine Helligkeit von 5,3 mag und im Nebenmimimum sind es noch 5,0 mag. Damit ist dieser Stern schon mit blossem Auge zu sehen. Beide Komponenten sind B-Riesen. Sie sind so nah beisammen, daß sie sich fast berühren. Wie bei beta Lyrae müssen beide Komponennten eiförmig sein. Die Entfernug scheint bei 600 Lichtjahren zu liegen. In diesem Fall wäre jeder beiden Komponenten über hundert mal heller als die Sonne.

Am 13. Dezember 1934 entdeckte der englische Amateurastronom J.P.M. Prentice nahe iota eine helle Nova im Hercules. Sie erreichte eine scheinbare Helligkeit von 1,2 mag. Damit war sie die hellste Nova, die seit Nova Aquilae (1918) in der nördlichen Hemisphäre aufgetreten ist. Während ihres Abklingens leuchtete sie eine zeitlang kräftig grün und war insofern ungewöhnlich, als daß sie mehrere Monate lang für das bloße Auge sichtbar blieb. Sie hat jetzt nur noch eine Helligkeit von 15 mag, den gleichen Wert erreichte sie auch vor dem Ausbruch. Man hat festgestellt, daß sie ein Bedeckungsveränderlicher mit einer sehr kurzen Periode von 4 Stunden 39 Minuten ist. Beide Komponenten sind Zwerge, der eine weiß, der andere rot.

M13 liegt zwischen zeta und eta. Er ist der hellste Kugelhaufen am Nordhimmel, nur omega Centauri und 47 Tucanae sind heller. M13 ist in klaren Nächten gerade noch mit dem bloßen Auge sichtbar, ist aber nicht sehr auffällig.

Wie alle Kugelhaufen ist M13 sehr weit von uns entfernt. Seine Entfernung wird mit 22500 Lichtjahren angegeben und sein Durchmesser beträgt ca. 160 Lichtjahre. Sein dichtes Zentrum hat einen Durchmesser von etwa einhundert Lichtjahren. Er liegt ziemlich weit von der Hauptebene der Milchstraße entfernt. Mit Sicherheit ist er äußerst alt. Ferngläser zeigen ihn recht gut und schon ein kleines Teleskop gibt seine äußeren Teile als Sterne wieder.

Der zweite Kugelhaufen M92 liegt direkt zwischen eta und iota. Er ist gerade noch mit dem bloßem Auge sichtbar. Sehr scharfsichtige Beobachter behaupten, einen Schimmer sehen zu können. Im Teleskop erscheint er ein wenig schwächer als M3. Er ist auch allerdings weiter entfernt - 37000 Lichtjahre.

NGC 6229 ist ein schwachleuchtender Kugelsternhaufen - verglichen mit den vorherigen zwei. Seine Helligkeit erreicht nur 10 Magnituden. Angesichts seiner grossen Entfernung von 100000 Lichtjahren sollte das auch niemanden wundern.

Mit einem Fernrohr lässt sich der Planetarische Nebel NGC6210, ein Objekt 9. Größenklasse, ausmachen. Er besitzt einen recht hellen inneren Ring und einen schwächeren äußeren Ring. Die scheinbare Ausdehnung des letzteren ist 20" mal 43".

Das folgende Objekt läßt sich nicht mit einer Amateurausstattung beobachten: Hercules X1 ist zusammen mit Cygnus X1 wohl eine der am besten untersuchten Röntgenquellen am Himmel. Das Spektrum von Hercules X1 zeigt eine Periodizität von 1.2378 sec. Innerhalb dieser Zeitspanne dreht sich dieser Stern einmal um die eigene Achse. Dies ist ein typischer Wert für Pulsare - schnell rotierende Neutronensterne. Man hat noch eine zweite Periodizität endeckt: alle 1.7 Tage setzen die Signale aus. Offenbar ist Hercules X1 ein Teil eines Doppelsternsystems. Im September 1970 konnte man den zugehörigen Stern ausfindig machen: HZ Her. Das Doppel befindet sich in einer Entfernung von etwa 20000 Lichtjahren von uns. Die Masse von Hercules X1 wurde zu 0.9 +/- 0.4 Sonnenmassen bestimmt.

Vom 19. Mai bis zum 19 Juni ist der Meteorschauer der Tau Herkuliden aktiv. Das Maximum der Schauertätigkeit findet am 9. Juni statt (etwa vier Meteore pro Stunde).


Zurück zum Verzeichnis der Sternbilder

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


HTML kodiert von Uwe Nolte und Hans-Peter Jäger. Letzte Änderung: 02.04.2010
© Lexikon der Astronomie
www.Lexikon-der-Astronomie.de