Die Sternbilder - Der Schlangenträger
SichtbarkeitBeschreibungOphiuchus ist ein weiteres großes Sternbild. Es bedeckt 948 Quadratgrad, ist aber mit den beiden Teilen der Schlange verschlungen. Es erstreckt sich über den Himmelsäquator. Von den hellen Sternen hat kappa eine Deklination von +9 Grad, theta liegt bei fast -25 Grad. Es hat keine charakteristischen Merkmale und alpha (Rasalhague) ist der einzige Stern, der hell genug ist, um aufzufallen. Rasalhague (62 Lichtjahre entfernt, 67mal heller als die Sonne) ist in Wirklichkeit viel näher und weniger leuchtkräftig als sein Nachbar Rasalgethi, obwohl es aussieht, als wäre er eine Größenklasse heller. Auch die Farbe ist anders: Rasalhague ist weiß, Rasalgethi (alpha Herculis) ist ein Roter Überriese. Weil große Teile des Sternbildes im Band der Milchstrasse liegen, enthält es zahlreiche Sternhaufen und Nebel. Von den anderen Sternen des Ophiuchus ist delta vom M-Typ. Seine rote Farbe hebt ihn von seinem Nachbar epsilon ab, denn dieser ist leicht gelblich. Die beiden sind keine echten Nachbarn, delta ist 140 Lichtjahre, epsilon nur wenig über 100 Lichtjahre entfernt. Es lohnt sich, sie mit einem Fernglas zu betrachten, da sie im selben Gesichtsfeld liegen. Nahe bei sigma Scorpii liegt ein weiter Doppelstern: rho Ophiuchi. Diese Region ist von Gas- und Staubwolken durchzogen und daher ein beliebtes Photomotiv. eta ist ein Doppelstern mit recht ähnlichen Komponenten. Die Hauptkomponente ist nur eine halbe Größenklasse heller als der Begleiter. Da sein Abstand weniger als eine Bogensekunde beträgt, ist er ein gutes Testobjekt für 25 cm-Teleskope. Der interessanteste Veränderliche in Ophiuchus ist die wiederkehrende Nova RS. Außer dem "Fackelstern" T-Coronae ist er der einzige dieser Klasse. Er kann so hell werden, dass er für das bloße Auge sichtbar wird - wie 1898, 1933, 1958, 1967 und 1987 geschehen, doch in der Regel liegt seine scheinbare Helligkeit bei 12 mag. Er ist mindestens 3000 Lichtjahre entfernt, und weil er jederzeit wieder aufleuchten kann, lohnt es sich, ihn zu beobachten. Die letzte Supernova in unserer Galaxis fand in Ophiuchus statt, es war Keplers Stern, der im Jahre 1604 sogar Mars und Jupiter überstrahlte. Es ist schade, daß er erschien, bevor das Teleskop erfunden wurde. Ein weiteres interessantes Objekt in diesem Sternbild ist München 15040, besser bekannt als Barnards Stern, weil er von dem Astronomen E.E. Barnard entdeckt wurde. Er läßt sich nicht leicht zu finden, da seine Scheinbare Helligkeit unter 9 mag liegt. Außer den Mitgliedern des alpha Centauri-Systems ist er der nächste Fixstern. Er besitzt die größte bekannte Eigenbewegung, so daß er sich in nur 190 Jahren um eine Distanz, die dem scheinbaren Vollmoddurchmesser entspricht, gegen seinen Hintergrund verschiebt. Er ist ein äußerst schwacher Roter Zwerg und Unregelmäßigkeiten in seiner Bewegung haben zu der Ansicht geführt, daß er mindestens einen, vermutlich planetarischen Begleiter hat. Der Wegweiser zu ihm ist 66 Ophiuchi (Größe 4,6). Übrigens lag dort die Region, in der ein Astronom namens Poczobut 1777 ein neues Sternbild einführen wollte, Poniatowskis Stier. Es beinhaltete auch 70 Ophiuchi (einen bekannten, aber ziemlich engen Doppelstern) sowie die Sterne 67 und 68. Es überrascht nicht, daß der kleine Stier von den aktuellen Sternkarten entfernt wurde. Weil große Teile des Sternbildes im Band der Milchstrasse liegen, enthält es zahlreiche Sternhaufen und Nebel. Im Sternbild des Ophiuchus liegen nicht weniger als sieben Kugelhaufen aus dem Messier-Katalog. Jeder von ihnen ist ziemlich hell, so daß sie bevorzugte Beobachtungsobjekte für Benutzer von Feldstechern sind. M12 ist interessant, weil er weniger verdichtet und deshalb leichter aufzulösen ist als die meisten anderen Kugelhaufen. Man kann ihn mit mit seinem Nachbarn M10 vergleichen, der sehr viel dichter ist.
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