Die Sternbilder - Die Jungfrau

Deutscher Name Lateinischer Name Genitiv Abkürzung
Jungfrau Virgo Virginis Vir

Rektaszension Deklination Fläche (°)²
11h 37m bis 15h 11m -22° bis +14° 1294



Sternkarte (29kB)

Sternkarte aus J.E. Bodes Sternatlas von 1782 (185 kB)

Sichtbarkeit

Kulmination um Mitternacht Mitte April.

Beschreibung

Virgo ist eines der größten Sternbilder üherhaupt. Es erstreckt sich über 1300 Quadratgrad, doch nur ein Stern (Spica) hat eine Helligkeit von 1 mag und nur zwei weitere liegen über der dritten Größenklasse.

Man findet Spica, indem man der Kurve von der Achse des Großen Wagens durch Arcturus hindurch folgt - Spica wird aufgrund seiner Leuchtkraft auffallen. Es ist ein Bedeckungsveränderlicher, mit einer Helligkeit zwischen 0,91 und 1,01 mag. Die einzelnen Komponenten liegen lediglich um 18 Millionen Kilometer auseinander, so daß man sie nicht im Teleskop trennen kann. Ca. 80% des gesamten Lichts kommt vom Primärstern. Er ist mehr als 10mal massereicher als die Sonne und ebenfalls ein veränderlicher Stern. Seine Schwankungen sind aber nur sehr gering. Die Entfernung beträgt 257 Lichtjahre und die Leuchtkraft des Doppelsterns ist gut über 2000mal stärker als die der Sonne. Genau wie Regulus steht Spica so nahe an der Ekliptik, daß er von ond- und Planetn bedeckt werden kann. Die einzigen Sterne erster Größe, die ähnlich nahe an der Ekliptik liegen, sind Aldebaran und Antares.

Die Schüssel Virgos wird von epsilon, delta, gamma und beta geformt. Die letzten beiden sind schwächer als die anderen.

Gamma hat drei Eigennamen: Arich, Porrima und Postvarta. Er ist ein bekannter Doppelstern, dessen Komponenten völlig identisch sind. Gamma besteht aus zwei gelb-weißen, fast gleichen hellen Sternen (einer mit 3.6 mag, der andere mit 3.7 mag). Mit einem 5cm-Teleskop konnte man die beiden Sterne vor in den 80ger Jahren noch leicht trennen. Die Sterne umlaufen einander mit einer Periode von 177.75 Jahren. Zur Zeit sieht es von der Erde aus beobachtet so aus, als würden sie sich annähern. Im Jahre 2000 werden sie bereits so nah zusammen stehen, daß schon ein 10cm-Teleskop notwendig sein wird, um die Komponenten noch zu trennen. Im Jahr 2007 werden sie dann mit 0,3" (entsprechend 450 Millionen km) ihre größte scheinbare Annäherung erreichen (man beachte: das wird lediglich von der Erde so aussehen, als ob). Zu diesem Zeitpunkt wird es für Amateurteleskope nicht mehr möglich sein, die einzelnen Sterne aufzulösen. Gamma ist nur 36 Lichtjahre entfernt.

Unter den Hauptsternen befindet sich delta (Minelauva), ein roter M-Stern. Er ist 147 Lichtjahre entfernt und seine Leuchtkraft 130mal heller als die der Sonne. Epsilon, der auch Vindemiatrix oder der Weintraubensammler genannt wird, gehört zum Typ G. Seine Entfernung beträgt 104 Lichtjahre und seine Leuchtkraft ist 75mal stärker als die der Sonne.

Ein besonderer veränderlicher Stern muss noch erwähnt werden: W Virginis. Seine Position ist RA= 13h 23m.5 und Dekl.= -03" 07' (weniger als vier Grad von zeta entfernt). Er schwankt zwischen 9,5 und 10,6 mag. Ursprünglich wurde W Virginis als Cepheid eingestuft; tatsächlich gehört er aber zu den Population-II-Sternen. Sterne dieser Art mit kurzer Lichtwechselperiode sind wesentlich schwächer als die klassischen Cepheiden. Hier liegt auch der Grund dafür, warum Edwin Hubble die Entfernung zur Andromeda-Galaxie unterschätzte. Man konnte damals noch nicht wissen, daß es zwei Arten von Veränderlichen mit kurzer Periode und sehr unterschiedlicher Periode-Leuchtkraft-Beziehung gibt. Zeitweilig wurden die schwächeren Sterne als Typ-II-Cepheiden bezeichnet, heute heißen sie offiziell W Virginis-Sterne. Der hellste von ihnen, und das einzige Mitglied dieser Klasse, das mit dem bloßen Auge beobachtet werden kann, ist kappa Pavonis. Leider liegt er zu südlich, um von Europa aus gesehen werden zu können. W Virginis ist bis zu 1500mal heller als die Sonne. Im Vergleich zu delta Cephei, der 6000mal heller als unsere Sonne ist, ist das im Vergleich aber nicht viel.

Die Paar aus einem Stern 4. und einem 9. Größe von theta Vir kann man mit einem keinen Teleskop beobachten. Ebenfalls mit kleinen Teleskopen zu beobachten ist tau Vir. Man kann den Stern 4. Größe und seinen scheinbaren Begleiter 9. Größe auflösen.

Bei S Vir handelt es sich um einen veränderlichen Stern mit einer langen Periode. Seine Helligkeit schwankt alle 377 Tage von 6 Magnituden bis hinunter auf 13 Magnituden. Seine herrliche rote Farbe macht ihn zu einen wundervollen Beobachtungsobjekt.

Das wichtigste Merkmal des Sternbild Jungfrau ist der Galaxienhaufen, der bis in die Sternbilder Löwe und Coma hineinreicht. Die durchschnittliche Entfernung der Mitglieder des Haufens beträgt zwischen 40 und 50 Mio. Lichtjahre, und da er mehrere tausend Systeme enthält, erscheint unsere Lokale Gruppe daneben sehr klein. In der Jungfrau befinden sich nicht weniger als elf Messier-Objekte, außerdem viele weitere Galaxien mit Größenklassen von 12 oder heller.

Die elliptische Riesengalaxie M87 wurde von Messier selbst im Jahre 1781 entdeckt. Aus dem Zentrum dieser Galaxie ragt ein in eigenartiger, mehrere tausend Lichtjahre langer Strahl (Jet). M87 ist und von vielen (um die tausend) kugelförmigen Sternhaufen umgeben. Als starke Strahlungsquelle ist M87 auch unter dem Namen Virgo A oder 3C-274 bekannt. Sie ist ferner eine aktive Quelle von Röntgenstrahlung. Es gibt viele Hinweise für die Existenz eines extrem massiven Schwarzen Loches im Herzen der Galaxie.

M104 ist eine Sb-Spiralgalaxie, die wir fast genau von der Kante her sehen. Sie wird von einem dunklen Staubstreifen durchkreuzt. Diese Galaxie ist auch unter dem Namen "Sombrero"-Galaxie bekannt. M104 ist auch reich an kugelförmigen Haufen. Ein Teleskop mit mehr als 30 cm Durchmesser läßt die Staubbahn deutlich erkennen. Die Einmaligkeit dieses Phänomens macht M104 auch für Astro-Photographen interessant.

M49, das mit delta und epsilon ein gleichseitiges Dreieck formt, ist eine weitere elliptische Riesengalaxie, vergleichbar mit M87. Alle anderen Galaxien lassen sich sehr leicht finden, selbst diejenigen, die nicht von Messier in seinen Katalog aufgenommen wurden. Hier befindet sich ein exzellentes Revier für alle, die nach Supernovae in fernen Galaxien suchen.

Anfang 1997 leuchtet die Supernova SN1997X in der Galaxie NGC4691 (RA = 12h 48m 14.28s, Dekl.= -3°19'58".5) auf (siehe IAU circular 6552). Sie erreichte eine Helligkeit von 13.5 mag.

Drei Meteorschower werden mit dem Sternbild Jungfrau verbunden: die Eta Virginiden, Theta Virginiden und die Pi Virginiden. Beobachtungen lieferten für Eta Virginids ein Dauer vom 24. Februar bis zum 27. März. Es scheint kein ausgeprägtes Maximum bei diesem schwachen Schauer zu geben. Die Theta Virginiden kann man vom 10. März bis zum 21. April beobachten. Obwohl auch dies kein starker Schauer ist weist er ein Maximum der Aktivität um den 20. März auf. Der stärkste dieser drei Meteorschauer sind die Pi Virginiden. Ihre Rate liegt zwischen 3 bis 5 Meteoren pro Stunde. Dieser Schauer ist vom 13. Februar bis zum 8. April aktiv.


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HTML kodiert von Uwe Nolte und Hans-Peter Jäger. Letzte Änderung: 07.04.2010
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